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Reiner Hör neuer Orts- und Verbandsbürgermeister :

Kommunales

DIE RHEINPFALZ, 03.07.2006

Große Mehrheiten für Aktiven Bürger - Nach 60 Jahren kein CDU-Politiker mehr an Verwaltungsspitze

Reiner Hör gelang ein Doppelsieg. Damit ist er neuer Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rülzheim und der Ortsgemeinde. Der Aktive Bürger erreichte in der Verbandsgemeinde 56,7 Prozent der gültigen Stimmen. Sein Mitbewerber Michael Weigel (CDU) erhielt 33,7 Prozent. Abgeschlagen die beiden weiteren Kandidaten Henric Franck (parteilos) und Norbert Weber (FDP) mit 6,5 beziehungsweise knapp drei Prozent.

Kurz bevor Bürgermeister Karl Schwindhammer gestern gegen 18.45 Uhr das Wahlergebnis bekannt gab, war die Spannung der zahlreich im Sitzungssaal des Rathauses versammelten Bürger groß. Schon vorher war in den Gängen durchgesickert, dass es vermutlich für Reiner Hör reichen werde. Als dies dann zur Gewissheit wurde, kannte die Freude bei Hörs Anhängern keine Grenzen. Offensichtlich waren auch mehr Anhänger Hörs als Weigels ins Rathaus gekommnen, vielleicht weil sie aufgrund der RHEINPFALZ-Umfrage schon mit einem solchen Ergebnis gerechnet, zu-mindest doch gehofft hatten, dass es beim dritten Anlauf klappen würde.

Frenetischer Jubel, gefolgt von rhythmischem Klatschen ließen die Zahlen der anderen Kandidaten fast untergehen. Hör, dem die Anspannung ins Gesicht geschrieben stand, atmete erleichtert auf. Sofort war auch ein Blumenstrauß für den neuen Bürgermeister zur Hand. Bei der Bekanntgabe des Resultats der Ortsbürgermeisterwahl, das fast einem Erdrutschsieg gleichkam, war der Jubel fast noch lauter.

Betretene Gesichter dagegen bei den CDU-Anhängern; verliert sie doch nach über 60 Jahren das Amt des Bürgermeisters in Rülzheim. Seit Kriegsende hatte die CDU die Rülzheimer Ortsoberhäupter gestellt.

Karl Schwindhammer wünschte seinem Nachfolger alles Gute und beglückwünschte ihn zur Wahl. Alles andere könne bei der Amtsübergabe am 2. November gesagt werden. Es war ihm anzusehen, dass er mit dem Wahlergebnis nicht sehr glücklich ist. Dennoch verstand er es recht gut, seine Enttäuschung zu verbergen. „Die Bürger haben so entschieden.”

Der Tag hatte schleppend begonnen. Gegen 10 Uhr waren erst zehn Prozent der 11.886 Wahlberechtigten an den Urnen gezählt worden. Nach den Gottesdiensten stieg deren Zahl: Um 12 Uhr hatten über 25 Prozent gewählt, in manchen Wahlbezirken schon 40 Prozent. Diese Hoffnung hielt aber nicht lange an: Gegen 16 Uhr lag die Wahlbeteiligung bei knapp 45 Prozent inklusive Briefwähler.

„Ich habe gehofft”, sagte Wahlsieger Hör. „Doch so eindeutig, damit habe ich nicht gerechnet. Es ist ein überwältigender Vertrauenvorschuss der Wähler, dem ich gerecht werden muss. Die Wähler haben entschieden, was für sie und die Verbandsgemeinde am Besten ist.” Es überwiege zwar die Freude über den Wahlsieg, doch blicke er auch mit einem wehmütigen Auge auf seine bald ehemalige Arbeitsstätte in der Verbandsgemeindeverwaltung Kandel, wo er seit 1972 tätig war.

CDU-Kandidat Weigel war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. "Vor allem über das Ergebnis in Rülzheim bin ich enttäuscht", sagte er. In der Partei müssten die Ergebnisse jetzt erst analysiert werden. Deshalb könne und wolle er jetzt keine weiteren Stellungnahmen abgeben. Am Wahlkampf habe es nicht gelegen.

Auch der parteilose Henric Franck zeigte sich mit seinem Wahlkampf und dem Ergebnis zufrieden. „Ich danke allen Wählern für ihr Vertrauen und denen, die mich unterstützt haben”, sagte er. Sein Glückwunsch gelte Reiner Hör für dessen Wahlsieg.

Mit dem erreichten Ergebnis nicht zufrieden war der FDP-Kandidat Norbert Weber. „Es geht um alles oder nichts”, sagte der Maler- und Stukkateurmeister, der von einem guten Wahlkampf sprach und Hör ebenfalls zu seinem Doppelsieg gratulierte.

Amtsinhaber Karl Schwindhammer ist überrascht von diesem Sieg, den er in dieser Klarheit nicht erwartet hätte. Die Gründe für die Wahlniederlage könne er noch nicht sagen, dies müsse erst noch analysiert werden. Mit Michael Weigel habe man den vermeintlich besten Kandidaten gehabt. Darauf angesprochen, ob sein vorzeitiger Rücktritt dazu beigetragen habe und er nicht noch besser ein Jahr im Amt geblieben wäre, um Weigel mehr Zeit zu geben, bekannt zu werden, meinte er, das das nichts geändert hätte. Es wäre Zeit gewesen, aufzuhören, die gesundheitlichen Probleme hätten den Anforderungen an das Amt nicht stand gehalten.

KOMMENTAR
Von Ralf Wittenmeier

Erstmal wird die Verbandsgemeinde einen Bürgermeister bekommen, den nicht die CDU stellt.

Im dritten Anlauf hat Reiner Hör von den Aktiven Bürgern es geschafft und ist Verbandsbürgermeister Rülzheims geworden. Zu verdanken hat er dies den Wählern aus Hördt und denen aus Kuhardt. 53 Prozent der Wähler in dem CDU-regierten Dorf haben sich für Hör entschieden und nur 34,8 Prozent für Weigel. Einzig in Leimersheim hat der CDU-Kandidat die Mehrheit erreicht.

Besonders stark ist Hör auch aus der Rülzheimer Wahl hervor gegangen. Bereits 2001 hat er - wenn auch knapp - dort einen Sieg geholt, gegen den damaligen Amtsinhaber Karl Schwindhammer. Diesmal war es mehr als deutlich: Fast zwei Drittel der Wähler votierten für ihn, nur 29 Prozent für Weigel.

Nun heißt es für die CDU analysieren und Wunden lecken. Sicher spielt es eine Rolle, dass Schwindhammer viele seiner Parteigenossen erst sehr spät in seinen Rückzug eingeweiht hat, den Kandidaten Weigel viele als Politiker nicht kennen. Anders bei Hör, der seit Jahren politisch aktiv ist. Nun darf man gespannt sein, wie er gegen eine CDU-Mehrheit im Verbands- und Ortsgemeinderat agieren wird. Sicher werden die Wahlverlierer erst einmal Stärke zeigen wollen.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ 03.07.2006)

 

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